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Geschichte des Hauses Lubin

Lubin Paris, Parfümeur seit 1798
Alte kolorierte Fotografie: ein Auslieferer in dunklem Anzug und weißer Schirmmütze, eine Hand in der Hüfte, posiert vor einem schwarzen Lieferwagen, auf dessen Seite der Name Lubin in Schreibschrift unter einem kleinen Blumenstrauß gemalt ist, auf einem gepflasterten, baumgesäumten Boden.
Gemaltes Porträt von Pierre-François Lubin, dem Gründer: ein grauhaariger Mann in dunklem Rock, hoher weißer Halsbinde und blassgelber Weste, vor braunem Hintergrund.

DER GRÜNDER

In einem Paris, das noch immer unter den Turbulenzen der Revolution litt, gründete Pierre-François Lubin Ende des 18. Jahrhunderts ein Haus, das durch sein einzigartiges Talent berühmt werden sollte. Dieses Talent bestand darin, durch eine auf die Persönlichkeit jedes Einzelnen zugeschnittene Duftkreation die Ausstrahlung derer zu unterstreichen, die ihre Anwesenheit deutlich machen und eine spektakuläre Duftspur hinterlassen wollten.

Lubin, der 1784 von Jean-Louis Fargeon, dem Parfümeur von Königin Marie-Antoinette, in die Kunst der Parfümerie eingeführt wurde, lebte bis in die Anfänge des Zweiten französischen Kaiserreichs, als die industrielle Revolution bereits in vollem Gange war. Er durchlebte somit eine der turbulentesten Epochen der französischen Geschichte. Im Jahr 1792 trat er in die Werkstatt des Meisterparfümeurs Tombarelli in Grasse ein, der ihn in die Geheimnisse der florentinischen Parfümerie der Renaissance einweihte. In der Folge schuf er die ersten Parfüms, die ihre Inspiration nicht aus der Natur bezogen.

Für Lubin war das olfaktorische Vokabular eine bildreiche Sprache. Später inspirierte er seinen Schüler Septimus Piesse, einen Briten, der als erster die Wissenschaft der Parfümerie theoretisch begründete. Lubin war ein Pionier seiner Kunst.

Alter Farbstich mit zwei eleganten Damen des Directoire, die eine unter einem grünen Sonnenschirm, die andere in einem langen gelben Schleppkleid, gegenüber zwei Dandys in blauem Frack, Zweispitz und Stiefeln.
Alte Farbzeichnung der Fassade der Boutique Lubin in Paris mit den Schildern FABRIQUE DE PARFUMERIE SUPERFINE und LUBIN PARFUMERIE, einer Pferdekutsche und Passanten in zeitgenössischer Kleidung vor den Schaufenstern.

AU BOUQUET DE ROSES

Nach der Revolution eröffnete Pierre-François Lubin sein Geschäft mit dem Namen „Au Bouquet de Roses“ in der Nähe des Palais-Royal in Paris. Die Dandys jener Zeit – „les Incroyables“ und „les Merveilleuses“ – waren die wahren Vorreiter der Mode. Da modische Exzentrik nun für alle erlaubt war, verkörperten sie einen neuen Lebensstil, der von Launenhaftigkeit und sogar unbeschwerter Unbekümmertheit geprägt war. Im Zuge des Egalitarismus der Revolutionäre wollte jeder seine Persönlichkeit wieder durch eine einzigartige, duftende Aura zum Ausdruck bringen.

Ganzfiguriges Gemälde von Pauline Borghese, stehend in einem Empirekleid aus hellem, goldbesticktem Satin, mit Diadem und Perlenketten, eine Hand auf einem marmornen Büstensockel, in der anderen einen Fächer, vor einer roten Sitzbank und einem schweren Vorhang mit goldenen Fransen.
Handschriftlicher Brief in brauner Tinte auf altem, stockfleckigem Papier, Briefkopf des Kabinettssekretärs der Fürstin Pauline Borghese, Herzogin von Guastalla, der den Empfänger ermächtigt, den Titel ihres Parfümhändlers zu führen; der Brief gilt als Patent.

OFFIZIELLER LIEFERANT

Es war Lubin, der jedem Menschen seine eigene olfaktorische Signatur verlieh. Eine der „Merveilleuses“, Joséphine de Beauharnais, die nur knapp der Guillotine entkommen war, wurde die Frau von Kaiser Napoleon I. Als Bewunderin der Kreationen des Parfümeurs lud sie die Lieblingsschwester des Kaisers, Pauline, Prinzessin Borghese, zu einem Besuch in die Werkstatt des Parfümeurs ein.

Zu Ehren der charmanten Pauline erfand Lubin das „Bouquet Borghese“, dank dessen sie überall, wo sie hinging, eine unvergessliche Duftspur hinterließ. Als Zeichen der Dankbarkeit ernannte Pauline Lubin 1808 zu ihrem offiziellen Lieferanten.

Gestochener Briefkopf des Hauses Lubin, „Aux Armes de France“, Parfümeur und Destillateur in der Rue Sainte-Anne in Paris, geschmückt mit gekrönten Wappen und Siegeln, gefolgt von einer handschriftlichen Rechnung in brauner Tinte.
Gestochene Geschäftsvignette „Aux Armes de France“: die Ladenfront des Hauses Lubin in einer ovalen Kartusche, umrahmt von drei gekrönten Wappen, über dem Vermerk „Fabrique de parfumerie superfine“.
Gemaltes Porträt einer jungen Frau in rotem Samtkleid mit Puffärmeln und Spitze, mit einem Diamantdiadem und weißen Federn im Haar, vor einem grünen Vorhang.

AUX ARMES DE FRANCE

Charlotte von Frankreich, Marie Antoinettes einziges Kind, das die Revolution überlebt hatte, wurde während der Restauration zu seiner Lieblingskundin. Im Jahr 1824 gestattete sie ihm sogar, seine Pariser Boutique in „aux Armes de France“ umzubenennen.

Diese illustre Schirmherrschaft verschaffte ihm Zugang zu zahlreichen europäischen Monarchen, die ihn mit der Kreation ihrer persönlichen Düfte beauftragten, darunter König Georg IV. von England und Zar Alexander I. Marie-Amélie, die Gattin von König Louis-Philippe, der 1830 den Thron bestieg, verlieh ihm 1834 ihr offizielles Patent und ernannte ihn zum „Hoflieferanten der Königin“.

Alte Sepiafotografie eines großen weißen dreistöckigen Gebäudes mit zahlreichen Fensterläden, gekrönt von einem Mast, umgeben von einem Garten mit angelegten Wegen, Hügel im Hintergrund.
Altes fotografisches Brustbild eines Mannes mittleren Alters mit vollem Backen- und Vollbart und Monokel, in dunklem Gehrock über weißem Hemd mit breiter Schleife.
Alte Fotografie einer Parfümwerkstatt: Arbeiterinnen in Schürzen sitzen auf Hockern zu beiden Seiten eines langen Tisches und bestücken gestapelte Rahmen unter einer Hängelampe; Blüten bedecken den gefliesten Boden.

DIE NACHFOLGE, PARIS UND DIE FRANZÖSISCHE RIVIERA

Im Jahre 1844 übernahm sein ehemaliger Lehrling Félix Prot, der

20 Jahre lang an seiner Seite gearbeitet hatte, das Unternehmen. Der Mann, den Lubin als „seinen geistigen Erben“ betrachtete, baute daraufhin ein weltweites Vertriebsnetz auf, das sich über alle Kontinente erstreckte. Um die Qualität seiner wertvollen Rohstoffe zu gewährleisten, errichtete er 1873 in Cannes an der französischen Riviera die erste moderne

Extraktionsanlage. In dieser auf die Gewinnung von ätherischen Ölen spezialisierten Fabrik in Cannes wurden traditionelle Destillationsmethoden erstmals durch Dampfmaschinen ersetzt. Sein Sohn und Nachfolger, Paul Prot, übernahm 1885 die Leitung des Hauses. 50 Jahre lang bereiste er die ganze Welt, um ein internationales Netzwerk aufzubauen. Dadurch erlangte das Haus Lubin weltweite Bekanntheit.

Alte Postkarte der Lubin-Fabrik in Courbevoie: Das zweistöckige Gebäude trägt an der Fassade die Aufschrift „Parfumerie Lubin“, dahinter ragt ein hoher Schornstein auf, und mit Kisten beladene Gespanne stehen vor dem Eingang.
Blick in das Labor der Fabrik in Courbevoie: Angestellte in weißen Kitteln arbeiten an einem langen Tisch voller Kanister und Ballonflaschen, große Metallfässer stehen auf dem Boden.
Ovales gestochenes Etikett: ein Flakon Eau de Toilette von Lubin mit rotem Wachsverschluss, umrahmt von den Worten EAU DE TOILETTE oben und LUBIN unten, beiderseits mit dem Vermerk Anno 1798.
Destillationswerkstatt der Fabrik in Courbevoie: ein Arbeiter im weißen Kittel ist an zwei großen kupfernen Destillierkolben beschäftigt, unter einer Wandtafel mit der Aufschrift Eau de Toilette Lubin.

FABRIK IN COURBEVOIE

Schließlich eröffnete Paul Prot im Jahr 1900 eine hochmoderne Parfüm- und Seifenfabrik in Courbevoie am Rande von Paris.

Seine Söhne Marcel und Pierre Prot übernahmen Anfang der 1920er Jahre die Leitung des Unternehmens.

Alte Farbwerbung für das Parfum Nuit de Longchamp: Auf einem grünen Gartenstuhl gibt eine geöffnete cremefarbene Schatulle den Blick auf einen Glasflakon mit ziseliertem Stöpsel frei, daneben ein Spazierstock und ein rot-grüner Seidenhut; unten auf der Tafel die Angaben „Nuit de Longchamp“, „parfum“, „LUBIN“ und „Paris-France“.
Gemalte Werbetafel: ein flacher Flakon aus bernsteinfarbenem Glas, mit Blumen und Vögeln verziert und mit einem orangefarbenen Etikett „Monjoly — Lubin — Paris France“, vor einem grün-violetten gepressten Flakon, auf blauem Himmelsgrund mit einem blühenden Zweig.
Detail einer Werbetafel: der große Flakon Océan Bleu aus gepresstem Kristall in Muschelform mit blauem Etikett, vor einer blaugrün lackierten Tafel mit einem Baum und stilisierten goldenen Wellen.
Farbige Werbetafel auf wassergrünem Grund: zwei gelbe achteckige Flakons mit blau-goldenem Etikett, zwei längliche orangefarbene Etuis mit blauem Rand und eine runde Dose mit einem dritten Flakon; unten das mit der Feder geschriebene Wort „Montrosia“ über den Angaben „Lubin“ und „Paris“.

DIE GOLDENEN ZWANZIGER

Kolorierte Lithografie mit dem Titel „The Declaration Committee“: fünf Mitglieder des Komitees, darunter Thomas Jefferson und Benjamin Franklin, versammelt um einen mit rotem Tuch bedeckten Tisch, um die amerikanische Unabhängigkeitserklärung zu verfassen.
Gemaltes Porträt von Thomas Jefferson mit gepuderter Perücke, dunklem Rock und weißem Spitzenjabot, vor einem roten Vorhang.
Alte Schwarz-Weiß-Fotografie eines älteren Mannes in dunklem dreiteiligem Anzug, in einem Ledersessel sitzend; unter dem Bild vermerkt eine handschriftliche Bildunterschrift „M. Theo. E. Studley New York 1898“.
Alte kolorierte Karte mit dem Titel „Map of the Gold Regions of California“, die die Gebiete des amerikanischen Westens und die Seewege nach Kalifornien zeigt, begleitet von zwei Spalten gedruckten Textes.

DIE EROBERUNG DES WESTENS

Lubins erster berühmter Kunde in den Vereinigten Staaten war ab 1806 Thomas Jefferson, der Lubin – damals noch Lehrling – vor der Revolution in Fargeons Geschäft kennengelernt hatte.

Dank des späteren dritten Präsidenten der Vereinigten Staaten eroberte das Haus Lubin bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Neue Welt.

Lubin begann in den 1830er Jahren in Amerika richtig zu florieren, als sein erster Vertreter, Theo Studley, der in New York ansässig war, die Leitung übernahm.

Lubin fand zunächst Anklang bei den Plantagenbesitzerfamilien des Alten Südens und den gebildeten Eliten der Ostküste. Indem er die Pioniere der Westexpansion begleitete, ermöglichte Theo Studley dem Pariser Haus, sich in den gesamten Vereinigten Staaten zu etablieren. Als Theo 1898 in den Ruhestand ging, wurde in New York eine Niederlassung gegründet.

Die folgenden 30 Jahre waren für Lubin in den Vereinigten Staaten ein goldenes Zeitalter, das bis zur Weltwirtschaftskrise von 1929 andauerte. Obwohl die amerikanische Niederlassung 1930 ihre Pforten schloss, übernahm ein neuer Vertreter den Vertrieb der Produkte des Hauses.

Diese erfreuten sich in den 1930er Jahren weiterhin großer Beliebtheit bei den amerikanischen Damen der Oberschicht. Ihre Düfte verzauberten so manche „Party“ in New York, Hollywood und den Hamptons.

Der Flakon von Gin Fizz aus mattiertem Glas in Balusterform, gekrönt von einem breiten, schwarz lackierten Stöpsel, mit einem quadratischen Etikett „Gin Fizz Lubin“ an einer schwarzen Kordel.
Schwarz-Weiß-Fotografie zweier Männer im Anzug in einem holzgetäfelten Büro: der eine stehend, der andere an einem mit Papieren übersäten Arbeitstisch sitzend, neben einem schwarzen Telefon.
Farbige Werbefotografie zweier Flakons Eau Neuve aus bernsteinfarbenem Glas, der eine rechteckig mit der Aufschrift „Eau Neuve“, der andere zylindrisch und kanneliert, mit Stöpseln in Schildpattoptik, vor dunkelrotem Hintergrund.
Schwarz-Weiß-Fotografie aus der Untersicht: zwei Männer, der eine im weißen Kittel, der andere im Anzug, umgeben von Essenzflakons und langen Duftstreifen, im Labor eines Parfümeurs.

DIE NACHKRIEGSGENERATION

André und Paul Prot, die Söhne von Marcel bzw. Pierre, übernahmen nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die Leitung des Unternehmens.

Das erhabene Parfüm „Gin Fizz“, das 1955 von Henri Giboulet, dem damaligen Hausparfümeur von Lubin, als Hommage an die eleganteste Frau ihres Jahrhunderts, Grace Kelly, kreiert wurde, war sowohl in Europa als auch in den Vereinigten Staaten ein riesiger Erfolg.

Erneut hinterließ Lubin seine ganz eigene, äußerst schicke Handschrift in der Parfümerie.

Paul und André blieben bis Ende der 1960er Jahre an der Spitze des Hauses und erzielten 1968 mit L’Eau Neuve einen weiteren großen Erfolg. Nach dem Verkauf an einen deutschen Konzern erlebte Lubin einen vorübergehenden Niedergang und verlor im Laufe der Jahre zunehmend an Boden gegenüber der neuen Konkurrenz durch Designer-Düfte.

Schwarz-Weiß-Fotografie eines Parfümeurs in dunkler Jacke und weißem Hemd, über einen mit Probeflakons bedeckten Tisch gebeugt, einen Fächer aus Duftstreifen in der Hand, vor einem gerahmten Porträt an der Wand.
Lubin-Flakon mit geschwungenem Körper, gefüllt mit blassgoldenem Duft, goldener Hals und Stöpsel aus hellem, geädertem Stein, fotografiert vor weißem Hintergrund.
Perspektivische Ansicht eines Lubin-Verkaufscorners: Struktur aus dunklem Holz und Messing, Schilder LUBIN PARIS, beleuchtete Regale mit Flakons, grüne Sitzbank, Hocker und gemusterter Teppich.
Nahaufnahme der vergoldeten senkrechten Lamellen einer Ladeneinrichtung, auf denen, teilweise angeschnitten, die eingravierte Inschrift „Lubin Paris“ zu lesen ist.
Nahaufnahme großer, geschwungener Lackformen in Bernsteinorange und glänzendem Schwarz, Detail einer Ladendekoration.
Lubin-Flakon Kigriz vor hellgrauem Hintergrund: klares Glas, goldener Hals mit der Aufschrift LUBIN, gewölbter tiefgrüner Stöpsel und der Name KIGRIZ in goldenen Lettern auf dem Bauch.

DIE ZUKUNFT GESTALTEN

Lubins Düfte, die für persönliche und zeitlose Eleganz stehen, werden nur in sehr begrenzten Mengen hergestellt und vertrieben, was es der Marke ermöglicht, die seltensten und am schwersten zu findenden natürlichen Inhaltsstoffe zu verwenden. Seit der Jahrtausendwende bringt das Haus kontinuierlich neue Kreationen auf den Markt, und Lubin hat nach und nach den Ruf zurückgewonnen, den es in seiner Blütezeit genoss. Getreu den Idealen seines Gründers kreiert das Haus originelle Düfte für eine erlesene Kundschaft, die auch künftige Generationen noch viele Jahre lang verzaubern werden.

Die unerschütterliche Unterstützung durch die beiden Söhne von Paul Prot Ende des 20. Jahrhunderts ermöglichte es, die Kontrolle über das Haus Lubin zurückzugewinnen.

Im Gegensatz zu Modedesignern – die „Handwerker des Aussehens“ sind – bleibt Lubin, der Parfümeur, „ein Künstler der Präsenz“, eine Eigenschaft, die er bei all jenen verstärkt, die ihm ihr Vertrauen schenken.